Warum (wir) Veganer nicht besser sind als andere…

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18. Oct 2009

Heute in zwei Wochen ist Weltveganertag. Es wird dann hier natürlich ein großes Special geben (das heißt ich schreibe einen Artikel, ähem), allerdings möchte ich mich schon heute (quasi als Urlaubsvertretung für Robert, der ja den “Veganmonth” ausgerufen hat) mit dem Thema Veganismus auseinandersetzen, diesmal allerdings unter einem anderen Aspekt: Diesmal möchte ich eine bestimmte, nicht unwesentliche Gruppe an Vegetariern und Veganern unter die Lupe nehmen und kritisieren.

Es gibt eine ganze Menge Vegetarier und Veganer, die pausenlos versuchen, ihre Umwelt zu “missionieren”. Grundsätzlich ein absolut nachvollziehbarer Ansatz, wenn das Thema zur Sprache kommt, bin ich auch der letzte, der mit meiner Meinung hinterm Berg hält. Das Problem ist aber: Viele halten sich offenbar für etwas besseres als die Fleischesser, behandeln diese von oben herab und greifen sie sehr persönlich an.

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Als Beispiel nehmen wir doch diesen Text, der vor einigen Tagen in mehreren Blogs diskutiert wurde. Nun, bevor ich einige Zitate herausgreife: Lest dringend den gesamten Text! Er ist gut geschrieben und vieles ist auch absolut zu unterschreiben. Auf diese Punkte werde ich dann am 1.11. nochmal eingehen, jetzt soll es aber um was anderes gehen. Die Autorin schreibt da gegen Ende des Textes:

Als Nicht-Fleischfresser sehe ich mich den Fleischessern insofern ueberlegen, dass ich weiß, dass das Mastschwein fuer die Bratwurst auf’m Grill nicht totgestreichelt wurde, dass Tiere auch ein lebenswertes Dasein verdient haben und dass ich die Wahrheit nicht so legen kann, wie es mir am besten schmeckt.

Und:

Hoert endlich auf, Leichenteile zu fressen, das ist doch widerlich.

Ich habe den Text bereits kommentiert und werde mich hier mal ausnahmsweise selbst zitieren:

Ich fühle mich keinem Menschen überlegen und finde solche Sätze auch wenig konstruktiv. Ich glaube, dass man so eher Trotz hervorruft und die Fleischesser beinahe schon dazu auffordert, damit weiterzumachen.

Seien wir ehrlich: Wenn man (oder etwas, das man tut) als “widerlich” bezeichnet wird, fühlt man sich angegriffen, beleidigt, besonders, wenn es dabei um etwas so alltägliches wie essen geht. Ich finde, man kann dann niemandem einen Vorwurf machen, wenn er oder sie sich von dem “Angreifer” distanziert und eben mit einer Trotzreaktion antwortet.

Nun soll das Ganze gar nicht gegen die Autorin dieses einen Textes gehen, es ist nur ein schönes Beispiel, um meinen Punkt zu veranschaulichen.

Fast jeder kennt doch diese Vegetarier/Veganer, die beim Grillabend auf die Wurst des Nebenmannes zeigen und rufen “Ihhh, totes Tier!” oder, noch schlimmer, die den anderen den Fleischteller aus der Hand schlagen (okay, das ist vielleicht extrem, aber ich kenn so Leute). Mal ehrlich: Das ist in etwa so wirksam, wie die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen. Jedem ist doch bewusst, dass so ein Steak oder eine Wurst aus totem Tier gemacht wird. Das bloße Brüllen von “Ihhh, totes Tier!” wird genau niemanden vom Vegetarismus überzeugen.

Zurecht wird nun der ein oder andere fragen: Was soll man denn dann tun, einfach zusehen? Klar entsteht irgendwann das Bedürfnis, andere von seinen Ideen zu überzeugen oder wenigstens zum Nachdenken anzuregen, auch in mir.

Meine Ideen zu diesem Aspekt möchte ich mir grundsätzlich für den Weltvegantertag aufsparen, deswegen jetzt nur so viel: Wie bei (fast) allem im Leben plädiere ich auch hier für eine positive Herangehensweise. Anstatt Fleischesser anzugreifen, zeigt ihnen lieber die Vorteile der veganen Lebensweise, denn es gibt ‘ne Menge! Denn: Der Großteil der Fleischesser, das behaupte ich jetzt einfach mal, ist nicht “böse”, eigentlich niemand isst Fleisch, weil es aus totem Tier gemacht wird und sehr, sehr viele sind sicher auch irgendwo der Meinung, dass das nicht ganz richtig ist. Nein, sie essen Fleisch, weil es ihnen gut schmeckt, sie es für alternativlos halten und, nicht zu unterschätzen meiner Meinung nach, aufgrund der vielen, ich sag mal, “sozialen Bequemlichkeiten”, die eine solche Ernährung mit sich bringt. Das alles sind meiner Meinung nach keine überzeugenden Argumente und keine stichhaltige Rechtfertigung, aber es sind nicht von der Hand zu weisende Vorteile des Fleischkonsums!

Sich einem Menschen deswegen überlegen zu fühlen, ihn von oben herab zu behandeln, ist falsch. Ihm zeigen zu wollen, dass diese Argumente eben nicht standhalten angesichts der Vorteile und Gegenargumente, die eine vegane Ernährung mit sich bringt, ist dagegen richtig und auch notwendig.

Mehr zu diesem Thema wird es wie gesagt am Weltveganertag geben, wenn ich jetzt nicht schon alle verschreckt habe.

8 Reaktionen zu Warum (wir) Veganer nicht besser sind als andere…

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kasumi

18. October 2009 am 12:16 pm

schöne ansätze, auf einer solchen basis würde man sicherlich eher mit sich reden lassen.

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Alex

18. October 2009 am 12:40 pm

Sehr schöner Ansatz.
Diese Leute, die einen missionieren wollen gibt es aber auch nicht nur unter Veganern und Vegetariern.
Da fallen mir spontan auch Leute ein, die einen immer von ihrer Musikrichtung überzeugen wollen. :)

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Moritz

18. October 2009 am 1:12 pm

Habe mir den Artikel durchgelesen und genau diese beiden Zitate (überlegen und widerlich) schaffen es meiner Meinung nach, dass man sich den Rest des Artikels in keiner Weise zu Herzen nimmt. Das ist einfach die komplett falsche Art, an dieses komplexe Thema heranzugehen.

Ich könnte dazu jetzt noch mehr schreiben, aber da du ja scheinbar noch was dazu raushauen wirst spare ich mir das einfach auf :)

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julia

18. October 2009 am 3:03 pm

danke fuer die verlinkung.
mit meinem post habe ich wohl in ein wespennest gestochen.

ich (stellvertretend vermutlich fuer viele menschen, die meine meinung zumindest partiell teilen) sehe ein, dass ein solch provokanter und im nachhinein betrachtet auch stellenweise unueberlegter text keinen davon ueberzeugt, seine meinung zu aendern. na ja, jedenfalls diskutiert jetzt die ganze welt darueber (wenn auch nur, um mir arroganz und engstirnigkeit anzuhaengen).

streng genommen war er also ein voller erfolg.

mfg,
julia

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herrlehmann

18. October 2009 am 3:07 pm

Also ich unterstelle dir keine Arroganz und Engstirnigkeit, finde nur, dass du dich im Ton vergriffen hast ;)

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ichier

18. October 2009 am 8:13 pm

jup, guter punkt. überlegenes missionieren bringt nix.
zumal das problem beim fleischessen ja, meines erachtens, nicht das fleischessen an sich ist, fressen und gefressen werden liegt in der natur des menschen, in der natur der natur. das problem ist doch vielmehr was mensch draus macht. ich esse flesich, so alle 2 monate, gerne. wenn das alle so handhaben würden, fände ich das super. dann gäbe es vielleicht auch wieder echte metzger in der stadt und fleisch das schmeckt. ich bin auf kreta in den bergen geboren – auch das nichtindustrielle schlachten ist grausam! womit ich zum schluß komme: die tatsache, daß tiere getötet werden, ist für manche ja tatsächlich der grund kein fleisch zu essen. somit ist ‘widerlich’ gar nicht gezwungenermaßen überheblich, sondern eine emotionale ebene die auch mitnehmen könnte.

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herrlehmann

18. October 2009 am 8:23 pm

Ohne Frage hat das mit der emotionalen Ebene zu tun. Für mich ist ja das Töten von Tieren auch der Grund, kein Fleisch zu essen. Insofern kann ich auch durchaus verstehen, warum man Sätze wie die zitierten schreibt.
Ich kann aber eben auch verstehen, dass niemand gerne als widerlich bezeichnet wird. Und denke halt, dass hier eine andere Herangehensweise gefordert ist, denn grundsätzlich bin ich auch der Meinung, dass eine vegane Lebensweise für jeden Menschen erstrebens- und empfehlenswert ist.

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Chaosmacherin » Linkkiste

20. January 2010 am 11:54 pm

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