Nick Hornby – Juliet, Naked
Posted on : 24-09-2009 | By : herrlehmann | In : Uncategorized
Tags: buch, nick hornby, review, roman
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Duncan und Annie führen eine unspektakuläre, aber immerhin recht beständige Beziehung. Seit 15 Jahren sind sie mehr oder weniger glücklich zusammen, zur Hochzeit oder gar zu Kindern ist es aber nie gekommen. Was Annie an Duncan am Meisten stört, ist seine unnatürliche liebe zu dem fiktiven Musiker Tucker Crowe, der in den 80er mal ein paar Achtungserfolge hatte, dann aber irgendwann untergetaucht ist und seitdem nichts mehr von sich hören ließ. Bis jetzt, denn jetzt erscheint Juliet, Naked, eine Sammlung der Demo-Aufnahmen für sein Meisterwerk Juliet. Für Duncan ein Ereignis von unschätzbaren Ausmaßen, Annie dagegen ist von dem neuen Album eher enttäuscht. Sie veröffentlicht eine Antwort auf Duncans euphorisches Review auf dessen Homepage und erhält schon bald eine Reaktion darauf – von Tucker Crowe. Ihr Kontakt zu ihm wird immer intensiver, während gleichzeitig ihre Beziehung zu Duncan, nachdem dieser sie betrogen hat, zu Ende geht
In Nick Hornbys neuem Roman geht es eigentlich um dieselben Themen wie immer: Um Menschen, die sich finden müssen, die gegen das Erwachsenwerden ankämpfen. Gespickt ist das ganze wieder mit jeder Menge Popkultur, doch so intensiv wie hier war das bisher nur bei High Fidelity.
Das Buch ist mal wieder sehr amüsant geschrieben, die Dialoge wirken erneut, als hätte Hornby sie auf der Straße aufgeschnappt und direkt übernommen, äußerst lebensecht und überhaupt nicht künstlich. Die Figuren sind interessant, auch Duncan, der zunächst etwas eindimensional wirkt, wird gegen Ende hin zu einem immer spannenderen Charakter. Die Dreiecksgeschichte Duncan-Annie-Tucker ist erstmal eine recht ungewöhnliche Konstellation, was dann bei dem unvermeidlichen Zusammentreffen der beiden Männer natürlich auf die Spitze getrieben wird.
Sehr schön auch, dass Hornby sehr zeitgemäß schreibt. So garniert er die Erzählung mit fiktiven Wikipedia-Einträgen über Crowe oder lässt Duncan auch schonmal ausführlich über Mp3s philosophieren (die übrigens noch niemand so romantisch beschrieben hat wie hier).
Insgesamt also finde ich Nick Hornbys neuen Roman äußerst spannend, berührend und vor allem sehr, sehr lustig und würde ihn sogar als seinen besten seit High Fidelity bezeichnen. Zwar hinterlässt das Ende einen leicht faden Beigeschmack. Aber das kann man auch durchaus als Zeichen der Reife Hornbys sehen. Nicht jede Beziehung kann gerettet werden, nicht jeder findet plötzlich die große, leidenschaftliche Liebe und vor allem kann sich nicht jeder in kurzer Zeit von Grund auf ändern. So mögen die Entwicklungen der Figuren nicht gerade spektakulär sein, dafür aber sehr glaubhaft.
Ich kann Juliet, Naked also klar empfehlen, wer Hornby bisher mochte, wird das weiterhin tun und wer mit einigen seiner Werke seit High Fidelity vielleicht nicht so zufrieden war, dürfte sich freuen, dass der Brite hier wieder einen sehr starken Roman vorlegt.




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