…in its finest hour.
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18. Aug 2009Yay, mein erstes Stöckchen, zugeworfen (auf Empfehlung von Sascha, danke dafür) von Georg von Zone-G. Dany hat das ganze gestartet, die Regeln sind wie folgt: Der Beworfene, in dem Fall ich, schreibt eine Kritik zu einem vom Werfer bestimmten Album. Meine Aufgabe ist nun, über Big Whiskey and the GrooGrux King von der Dave Matthews Band zu schreiben. Der Name kam mir zwar bekannt vor, aber bis gestern Abend hatte ich nicht einen Song der Band gehört. Umso interessanter, aber auch umso schwieriger, gar nicht so leicht, über eine völlig unbekannte Band zu schreiben, aber ich tu was ich kann (und freu mich sowieso immer über neue Wege, gute Musik kennenzulernen).
Das Album beginnt mit einem kurzen, jazzigen Saxophonintro, begleitet von leisem Schlagzeug. Sowas finde ich ja eher nervig, irgendwie führt das doch zu nichts und wirkt nur wie willkürlich aneinandergereihte Noten. Ja, ich weiß, Jazz ist wesentlich komplizierter als das, ich hab mal versucht Jazz-Gitarre zu lernen, dennoch, das hier gefällt mir einfach gar nicht, nicht meine Musik. Mein erster Gedanke zum Album also: Hoffentlich bleibt das nicht so.
Tut es nicht. Über die restliche Strecke des Albums präsentieren Dave Matthews und co. eine äußerst vielschichtige Mischung aus Funk, (Prog-)Rock, ein Bisschen Soul und einer guten Portion Popmusik.
Wirken die Songs zunächst oft noch etwas beliebig, so bleiben sie dies nur in den seltensten Fällen (Shake Me Like A Monkey zum Beispiel geht bei mir noch immer sehr schnell ins Ohr, aber auch genauso schnell wieder raus). Da wäre das (musikalisch) entspannte Funny The Way It Is mit seiner fantastischen Melodie im Refrain, das dann wirklich im Ohr hängen bleibt, textlich von den Gegensätzen in der Welt erzählt:
Funny the way it is, not right or wrong
Somebody’s heart is broken and it becomes your favorite song
Songs wie das druckvolle und tanzbare Why I Am, ein relativ poppiger Song mit deutlichen Funk-Einflüssen, mit eher balladesken Songs wie Dive In oder Baby Blue ab. Hinzu kommen Songs, die irgendwie alles auf einmal sind: Time Bomb beginnt mit einem akustischen (und relativ merkwürdigen) Intro, ist über weite Strecken sehr zurückgenommen und wartet mit sanftem, zerbrechlichen Gesang auf, nur um dann am Ende zu fast schon aggressivem Prog-Rock zu werden. Dazu kommen dann Lyrics wie:
Martians fell from the sky
What would that do to god?
Would we put the weapons down
Or aim it up at the sky
Ziemlich strange, gefällt mir aber sehr.
Mein Highlights aber sind Squirm mit seinem etwas heiseren Falsett-Gesang, seiner düsteren Atmosphären und teilweise orientalisch anmutenden Klängen (oder so), das später fast orchestral anmutet, und das zunächst rhythmusbetonte, später dann, nach Tempowechsel in der Bridge und was auch immer da noch alles passiert, sehr melodische Alligator Pie.
Vergessen sollte man auch nicht den Rausschmeißer You & Me, ein im Vergleich mit den anderen, sich ständig verändern, progressiven Songs eher simples kleines Lied, eine sehr ehrliche und sehr schöne Liebeserklärung, getragen fast nur von der Akustik-Gitarre.
Ich kann Big Whiskey and the GrooGrux King also absolut empfehlen, auch, wenn beim ersten Durchgang alles noch recht beliebig wirkt, gibt es dank interessanter Besetzung und Arrangements eine Menge zu entdecken, fast jeder Song wächst, je öfter man ihn hört und dank dem schon erwähnten Wechsel zwischen druckvollen und tanzbaren Songs und eher ruhigen Balladen ist das Album auch sehr abwechslungsreich. Dave Matthews’ ziemlich wandlungsfähige Stimme tut ihr übriges und hilft, jedem Song die richtige Stimmung zu geben. Ausfälle sind für mich nur das schon erwähnte Shake Me Like a Monkey (wobei das auch nicht schlecht ist, eher egal) und das wirklich grausige Lying in The Hands of God, das zumindest mich mit seinem weinerlichen Gesang und der eher spannungsarmen Struktur vor allem nervt.
Ansonsten aber macht es Spaß, dieses Album zu hören und es wird auch nach mehreren Durchläufen nicht langweilig. Vor allem aber wünsche ich mir jetzt sehr, diese Band mal live zu sehen, da fast alle Songs wirklich mitreißend sind und besonders die druckvolleren Sachen auf einem Konzert mit Sicherheit noch besser kommen.
Nur ihren Namen möge die Band doch bitte ändern, Dave Matthews Band ist wohl das langweiligste, was man sich einfallen lassen kann.
So, nun gilt es das Stöckchen weiterzuwerfen. Gar nicht so leicht, alle Blogs, die mir einfallen, hatten das Stöckchen entweder schon oder sind für die nächste Zeit nicht in der Lage, daran teilzunehmen. Tut mir Leid, ich muss also um Vorschläge bitten, wenn jemand einen hat, bitte in den Kommentaren posten. Das zu hörende Album ist dann Left & Leaving von The Weakerthans.
Update: Okay, das Stöckchen kehrt quasi nach Hause zurück: Dany übernimmt die nächste Rezension.
5 Reaktionen zu Albenkritik-Stöckchen: Dave Matthews Band – Big Whiskey and the GrooGrux King
endgueltig
18. August 2009 am 11:45 pm
Ist es nicht richtig gut? Sag ich doch. Mir gefällt das Album auch total gut. Nur “Lying in the Hands of God” finde ich nach wie vor ziemlich gut. Irgendwas hat es. Aber Geschmack ist unterschiedlich und eben dafür da unterschiedlich zu sein.
Das freut mich, das ich durch meine Empfehlung etwas Gutes in deine Ohren bringen konnte.
Schau doch mal bei den üblichen Verdächtigen in die Blogroll, da wirst du doch wen finden, den du mit dem Stock bewerfen kannst
juliaL49
19. August 2009 am 9:56 am
Ah, muss ich gleich mal gucken, ob es das Album bei Spotify gibt (ja! und: ist ja aus diesem Jahr!)
Kenne von DMB nur Satellite, was mir sehr gut gefällt.
Zum Weiterwerfen: möchte Dany nicht vielleicht mal wieder? Ich kann mir vorstellen, dass sie die Weakerthans gut findet.
herrlehmann
19. August 2009 am 2:16 pm
Wenn ja gebe ich gerne an Dany ab. Werde gleich mal nachfragen.
Dany
19. August 2009 am 6:04 pm
Klar, ich nehme das Stöckchen gern an.
Georg
19. August 2009 am 11:17 pm
Sehr schöne Kritik, und es freut mich dass ich anscheinen den ein oder anderen auf den Geschmack von DMB gebracht habe.
Und es stimmt, sie live zu sehen ist einfach großartig, denn es sind hervorragende Musiker. In den USA sind sie seit gefühlten zehn Jahren Nonstop auf Tournee und füllen die größten Stadien.
Und wer amerikanisches Konzertpublikum kennt, der weiß was es für ein Qualitätsmerkmal es ist, wenn bereits beim ersten Ton die obligatorische Saalbestuhlung dort einfach ignoriert wird.