Easy A (Einfach zu haben) – Review

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25. Oct 2010

“John Hughes did not direct my life.” sagt Olive Penderghast (Emma Stone) in Easy A - allerdings war wohl kein anderer Film in den letzten Jahren so nah dran am Meister der Teenie-Komödien. Easy A ist die Sorte Teenagerfilm, die heute eigentlich nicht mehr gedreht wird: Clever, (selbst-)ironisch, ein bisschen naiv und mit unendlich viel Wärme und Herz ausgestattet.

Bis vor kurzem wusste noch fast niemand an ihrer High School, wer Olive Penderghast eigentlich ist – heute hält sie jeder für die Schulschlampe. Der Grund: Olive hat ihrer besten Freundin Rhiannon (Alyson Michalka) von einem imaginären Date erzählt und sie in dem Glauben gelassen, sie habe ihre Jungfräulichkeit verloren. Spätestens, als sie dann einem schwulen Mitschüler hilft, als hetero durchzugehen, indem sie auf einer Party Sex mit ihm vortäuscht, nehmen die Gerüchte ihren Lauf. Zunächst genießt Olive die neue Aufmerksamkeit, nutzt sie sogar, um ein Bisschen Geld zu verdienen, indem sie anderen Schülern auf ähnliche Weise hilft – doch mehr und mehr leidet sie unter dem Bild, das ihre Mitschüler von ihr haben. In einem Webcast, der sozusagen den Rahmen für den Film bietet und die einzelnen “Kapitel” einleitet, erklärt sie ihre Seite der Geschichte.

Es ist schwer zu glauben, dass ein so bezauberndes, kluges und hübsches Mädchen wie Olive von ihren Mitschülern dergestalt ignoriert wird, das ist aber auch der einzige Aspekt, an Easy A, der nicht glaubwürdig ist. Wer sich an seine Schulzeit erinnert, wird sich wohl zwangsweise auch daran erinnern, wie schnell sich Gerüchte verbreiten können und wie grausam Teenager manchmal im Umgang damit sind – gerade in Zeiten des Internets. Der auf den ersten Blick etwas konstruiert wirkende Plot wird behutsam und nachvollziehbar erzählt, sowohl Olives anfängliche Umarmung der Gerüchte als auch ihre späteren Versuche, sie aus der Welt zu schaffen, bleiben glaubwürdig. Dass Olive sich dabei nicht selten eigennützig, unüberlegt, unreif verhält, ist eine weitere Stärke von Easy A – die Protagonistin ist sympathisch und clever, aber eben auch ein Teenager und muss dementsprechend erst nach dem “angemessenen” Weg suchen, die Situation zu handhaben.

Emma Stone spielt Olive mit Präsenz und Charme, schafft es, trotz der sarkastischen, cleveren Oneliner, die Olive so von sich gibt, sie als eine unschuldige, zerbrechliche Figur zu spielen, sodass es noch leichter fällt, sich mit ihr zu identifizieren, sie ins Herz zu schließen. Dazu gesellt sich eine rundum überzeugende Besetzung, von Patricia Clarkson und Stanley Tucci als die coolsten (und witzigsten) Filmeltern seit Juno (die aber, das haben die Teenagerjahre so an sich, Olive eben doch nur bedingt helfen können) über Lisa Kudrow als so gar nicht verantwortungsbewusste Vertrauenslehrerin bis hin zu Penn Badgley als Todd, dem offenbar letzten netten Hetero-Jungen der Schule – und damit natürlich Love-Interest. Tatsächlich erzählt Easy A trotz des teils bissigen, stellenweise fast an Heathers erinnernden Ton auch eine recht niedliche, charmante Liebesgeschichte: Zu sehen, wie sich Olive durch ihr aufkommendes universelles Misstrauen nur zaghaft an Todd annähert, macht es noch schwerer, von Easy A nicht verzaubert zu sein.

Dass Easy A sich dabei stets an Teenagerfilm-Konventionen hält, in den Nebenfiguren auf Typen zurückgreift, das Geschehen mit Musik untermalt, die gefällig und radiotauglich, aber gerade noch cool genug ist, um nicht als billiger Mainstream-Pop verschrien zu werden, ist dabei nur konsequent, stellt sich der Film doch ganz bewusst in die Tradition von Genreklassikern, was spätestens klar wird, als Olive ihre Nostalgie für John Hughes-Filme in die Webcam spricht. Der Film sehnt sich nach den Zeiten, als es in Teeniefilmen um mehr ging als ums Ficken, in denen Jungfrau sein nicht die einzig verfügbare Metapher für “nicht dazugehören” war – und kokettiert damit, nicht nur durch die offensichtlichen Referenzen, sondern auch durch die, wenn man so will, Umkehrung des Plots moderner Teeniefilme: am Ende will Olive vor allem zurück zu ihrem Mauerblümchen-Dasein.

Man mag das alles als konservativ und bieder ansehen, vor allem ist es aber ziemlich süß und unendlich viel warmherziger, irgendwo auch ehrlicher als alle ach so gewagten, aber letztlich recht verklemmten American Pie(-Verschnitte) dieser Welt. Easy A ist der beste Highschool-Film seit Jahren, er ist witzig, romantisch, dabei aber auch bissig und sehr klug. Der Film endet mit Don’t You Forget About Me und es wirkt nicht anbiedernd, sondern völlig natürlich – was einiges darüber sagt, wie gut er ist. Und Olives Schlussmonolog, als Todd dann vor ihrem Fenster steht, ist nicht nur eine viel bessere, glaubwürdigere Lösung als zum Beispiel das abrupte, “Yay, endlich ficken, die ultimative Coming-of-Age-Metapher!”-Ende des ansonsten tollen Adventureland, sondern auch ein Bisschen Kommentar auf die besagten modernen Teeniefilme, die sich scheinbar mit den Außenseitern und Losern identifizieren, aber letztlich doch vor allem Gleichförmigkeit wollen:

I think I’ll lose my virginity to him. Maybe in five minutes, maybe tonight, maybe sixth months from now, or maybe on the night of our wedding. Either way, it’s really none of your business.

(Kinostart: 11. November 2010)

3 Reaktionen zu Easy A (Einfach zu haben) – Review

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Damian

26. October 2010 am 6:45 am

Boah, I <3 Emma Stone.

Und: Gutes Review, sehr schöner Aufbau.

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Sebastian

26. October 2010 am 12:25 pm

Vielen Dank :)
Und ich denke, von Emma Stone dürfen wir bald noch viel mehr sehen, mit dem Film und der Spiderman-Rolle scheint sie ja langsam die verdiente Anerkennung zu bekommen.

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Review: Freunde mit gewissen Vorzügen | Deus X Cinema

27. August 2011 am 9:11 pm

[...] Gluck brachte uns letztes Jahr mit Einfach zu haben (Easy A) einen der schönsten Teenager-Filme seit John Hughes. Der Film versuchte gar nicht, auf [...]

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