The Social Network – Review

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25. Sep 2010

Es war wohl nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood das Internet für sich entdeckt. Den Anfang einer, das prophezeie ich jetzt einfach mal, Reihe von “Website-Verfilmungen”, macht jetzt David Fincher mit The Social Network. Der Film über die Gründer von Facebook gilt bei US-Kritikern schon mindestens als die Neuerfindung von Kino, Rad und Weißbrot und auch in Deutschland ist die Vorfreude auf den am 7. Oktober startenden Film groß. Um es gleich vorweg zu nehmen, The Social Network wirft vor allem eine Frage auf: What’s the fuss all about?

Es geht natürlich vor allem um Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg), Harvard-Student und Computer-Genie, der, “inspiriert” von einer Idee der Brüder Cameron und Tyler Winklevoss (beide Armie Hammer), das Social Network Facebook entwickelt. Das Startkapital bekommt er von seinem besten Freund Eduardo Saverin (Andrew Garfield), doch spätestens, als Napster-Erfinder Sean Parker (Justin Timberlake) Interesse an der Idee bekommt, beginnen die Differenzen der beiden. Zuckerberg findet sich bald in zwei parallel laufenden Prozessen wieder: Sowohl die Winklevoss-Zwillinge als auch sein bester Freund haben ihn verklagt.

Die beiden Gerichtsverhandlungen sind der Aufhänger des Films, in Rückblenden erzählen die Beteiligten von den Ereignissen, die zu den Rechtsstreitigkeiten führten. Die Konzipierung des Films als Thriller hört bei der Struktur aber noch lange nicht auf und verhindert, dass The Social Network ein wirklich guter Film wird. Der Verlauf der Verhandlungen ist zum Einen alles andere als unbekannt, zum Anderen selbst für völlig unkundige nicht gerade wendungsreich: Wie Zuckerberg gehandelt hat, ist offensichtlich und wird im Film auch wenn überhaupt nur halbherzig von ihm bestritten. Zweifelhaft ist lediglich die Interpretation, i.e. das Urteil der Richter, dass sich aber auch nach ca. 10 Minuten erraten lässt. Für einen Thriller bietet Zuckerbergs Geschichte einfach nicht genügend Material. Dass der gesamte Film (wirklich, jede verdammte Minute) mit Trent Reznors pumpendem, “bedrohlich wirkenden”, aber letztlich völlig nichtssagenden Elektrosoundtrack unterlegt ist, wirkt demnach auch geradezu lächerlich. Viele kennen vielleicht die im Internet kursierenden Recut-Trailer, wie zum Beispiel die Version von Ferris Bueller’s Day Off, in der durch ein paar Schnitte, Voice-Over und vor allem eben bedrohliche Musik der Eindruck erweckt wird, der Film sei ein spannender, leicht creepy Thriller. The Social Network ist genau das auf Spielfilmlänge und damit ein typischer Fincher: Mal wieder behauptet einer seiner Filme, mehr zu sein, als er ist.

Tatsächlich versucht der Film auch über das Thriller-Konzept hinaus zu gehen. Er beginnt damit, dass Zuckerbergs Freundin Erica Albright (Rooney Mara) mit ihm Schluss macht und endet damit, dass Zuckerberg ihr eine Freundschaftsanfrage schickt. Das soll wohl suggerieren, dass letztlich sie der Antrieb für seinen krankhaften Ehrgeiz ist, es spielt aber, bis auf eine einzige weitere Szene, über die restliche Dauer des Films keine Rolle und ist aber genauso eine leere Behauptung, wie Zuckerbergs und Saverins Freundschaft. Klar, dass die beiden beste Freunde waren ist Fakt, das ändert aber nicht, dass ein Film, der versucht, diese Freundschaft als emotionalen Kern zu präsentieren, sie zunächst etablieren muss, was Autor Aaron Sorkin leider versäumt. An keiner Stelle wird gezeigt, was Saverin an Zuckerberg findet, umgekehrt scheint Zuckerberg von Anfang an nur die geschäftliche Seite zu interessieren, er gönnt seinem Freund nichts, redet nur mit ihm, wenn er etwas braucht. Das ist weder in der Realität noch, und das ist wichtiger, in der inneren Logik des Films glaubhaft, denn wenn es wirklich das ist, was Zuckerberg und Saverin allein verbindet, macht es alle Versuche, Zuckerberg Emotionen zeigen zu lassen, von vornherein überflüssig und unglaubwürdig.

Dass sich The Social Network trotz allem gut wegschauen lässt, hat zwei Gründe: Zum Einen ist Sorkins Drehbuch, trotz der genannten Schwächen, alles andere als schlecht. Das Tempo stimmt, die Dialoge sind schnell, authentisch und unterhaltsam und den ein oder anderen guten Witz gibt es auch. Zum Anderen beeindruckt die Besetzung bis in die kleinste Rolle: Von Eisenberg, der der im Film gezeigten Version Zuckerbergs, weniger ein echter Charakter als vielmehr ein Typ, ein sich grenzenlos überschätzender Soziopath ohne jede Facette, dann doch noch einen gewissen linkischen Charme mitgibt, über den wirklich grandiosen Andrew Garfield, der trotz dem kargen Material einen halbwegs sympathischen Eduardo Saverin spielt (und sich damit auch mir als idealer Spider-Man empfielt) bis hin zum nun wohl endgültig als ernsthafter Schauspieler etablierten Justin Timberlake und der bezaubernden Rashida Jones in einer eigentlich völlig egalen Nebenrolle gibt es im Ensemble wirklich nicht einen einzigen Ausfall.

Doch das alles ändert nichts daran, dass David Fincher mit The Social Network einen weiteren Blender vorlegt, einen Film, der über den Einfluss von Facebook und die Person Mark Zuckerberg weniger aussagt als ein Statusupdate und der schon durch sein Konzept zum Scheitern verurteilt ist. Stellenweise ist es wirklich schwer, The Social Network ohne Fremdscham anzuschauen, so unfassbar wichtig nimmt sich Fincher mal wieder. The Social Network ist leidlich unterhaltsam, aber doch nicht besonders gut und sicher nicht, wie viele US-Kritiken es nahelegen, wichtig – dazu fehlt einfach die Beschäftigung mit Facebook selbst. Vielleicht machen es ja die sicher kommenden Filme zu Google, Twitter und co. besser, hier jedenfalls machen Hollywood und die Medien mal wieder viel Lärm um nichts.

16 Reaktionen zu The Social Network – Review

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Natalie

25. September 2010 am 2:26 pm

Danke für eine konsequente und interessante Rezension. Grüße aus Münster, Natalie

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David

25. September 2010 am 3:18 pm

Verstehe nicht, warum der immer als Computergenie bezeichnet wird. Okay, kann ja sein, dass er eins ist, aber für Facebook brauchte man nur eine gute Idee, die vorher keiner hatte. Die Umsetzung ist erstens nicht besonders gut (erst recht zu Beginn) und zweitens keine Programmier-Meisterleistung.
Die Trailer fand ich ganz gut aber eigentlich interessiert die Story mich gar nicht. Und wenn du sagst, im Zentrum stünden die Gerichtsverhandlungen, finde ich das noch weniger interessant. Du bestätigst eigentlich in allem meine Vermutungen, kann man sich schenken. Bester Fincher seit Fight Club habe ich oft gelesen. Aber mal ganz ehrlich: viel Tolles hat der seitdem auch nicht gemacht.

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Sebastian

25. September 2010 am 4:26 pm

Naja, im Film wird schon wert auf seine Hacking- und Programmierkenntnisse gelegt, sonst hätt ich’s wohl auch nicht geschrieben ;)

Und ja, Fincher hat außer Fightclub eigentlich wenig auf die Beine gestellt…am Schlimmsten fand ich da noch den unsäglich langweiligen Benjamin Button.

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Oktober, November, Dezember. | Kälte Reich

26. September 2010 am 4:18 pm

[...] ein paar gute Meinungen (via Twitter @Equillibriumblog und bei the Gaffer) zum Film, aber auch eine nicht so euphorische. Bei mir hat es jedenfalls wieder sehr viel Interesse geweckt und ich kann es gar nicht mehr [...]

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Damian

27. September 2010 am 2:25 pm

Sehr sehr gute Review, wie ich finde. Klingt trotz deiner ja eher negativen Meinung aber durchaus interessant. Werde ihn mir bestimmt ansehen.

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Sebastian

27. September 2010 am 2:34 pm

Vielen Dank, das hört man gern ;)

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Leseempfehlung: What’s True in the Facebook Movie - Als Ich Ein Hamster War

1. October 2010 am 6:04 pm

[...] eine realistische Darstellung von Ereignissen ist, dass die Erzählung funktioniert. Im Falle vom ohnehin eher mauen The Social Network seh ich das ganze etwas anders. Ein Großteil der Menschen, die ich bisher über [...]

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luzifus

2. October 2010 am 1:34 pm

Was den Aufbau von “The Social Network” als Thriller angeht, muss ich dir grundlegend widersprechen. Das Problem ist dasselbe wie bei “Fight Club”: Der Trailer suggeriert etwas, was der Film im Kern eben nicht ist. Kommt bei “Fight Club” (http://www.youtube.com/watch?v=kS8JEaTaWgY) der Eindruck auf, es handelt sich um einen stumpfen, gewalttätigen Klopperfilm, so wird “The Social Network” eben als Suspense-Thriller vermarktet. Zugegebenermaßen ist Suspense auch ein Element von “The Social Network”, was die paranoiden Ansätze von der Zuckerberg-Figur und – zumindest genredefinitorisch – die Struktur des Gerichtsfilms angeht, doch erzählt Fincher sozusagen über diesen Umweg ein Charakterdrama um Freundschaft, Loyalität und mangelnde Sozialkompetenz. Vorhersehbarkeit um den Ausgang des Prozesses zu unterstellen, geht in meinen Augen am Thema vorbei. Und genau bei der Thematisierung dieser sozialen Unzulänglichkeiten in Zuckerbergs Leben ist es total unerheblich, wie Saverin und Zuckerberg sich angefreundet haben: dies reflektiert doch nur noch etwas mehr die Oberflächlichkeit Zuckerbergs, der ihn am Ende nur instrumentalisiert.

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Sebastian

2. October 2010 am 2:06 pm

OK, das seh ich völlig anders. Ich finde wie beschrieben, dass der ganze Film durch seinen Aufbau, den Fokus auf die Prozesse und vor allem den katastrophalen Soundtrack über die gesamte Dauer versucht, Suspense aufzubauen und zu jeder Sekunde ein Thriller sein will, es aber nicht ist. Das hat nichts mit dem Trailer zu tun, ich sehe das im ganzen Film.

Als Charakterdrama funktioniert der Film für mich zu keinem Zeitpunkt. Es mag für die Handlung unerheblich sein, wie die beiden sich angefreundet haben. Ich hab auch gar nicht gefordert, dass genau das gezeigt wird, aber: Wenn ein Film von einer Freundschaft erzählt, wenn ein Film es zum Thema macht, wie eine Freundschaft auseinander geht, dann MUSS er, um für mich zu funktionieren, diese Freundschaft erstmal zeigen. Nicht, weil die Handlung sonst nicht funktioniert oder keinen Sinn ergibt, sondern damit es mich überhaupt interessiert. Ja, Social Network zeigt, wie die Freundschaft an den angeblichen sozialen Unzulänglichkeiten von Zuckerberg scheitert. Aber warum sollte ich dafür irgendein Interesse haben, warum sollte es mich berühren, wenn diese Freundschaft zu keiner Sekunde im Film als etwas Positives dargestellt wird? Der Film präsentiert Saverin ganz klar als ein Charakter, der sich betrogen fühlt, der darunter leidet, dass sein Freund ihn aus der Firma gedrängt hat. Aber wenn mir nicht eine einzige Szene geboten wird, in der auch nur angedeutet wird, dass die beiden sich mögen und warum, dann sind Saverins Emotionen für mich a) unglaubwürdig und b) egal.

Es reicht mir einfach nicht, wenn mal kurz eine Figur sagt “wir waren mal beste Freunde”. Ich will das sehen, sonst kann ich einfach keine emotionale Verbindung zum Geschehenen aufbauen.

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luzifus

2. October 2010 am 7:58 pm

Mh, na gut, wenn du das so empfindest und eben diese “Vorgeschichte” brauchst, ist das ok. Ich finde aber, dass der Film auch nur mit der Andeutung dieser Freundschaft ganz gut funktioniert.

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The Social Network (Review) | Die Fünf Filmfreunde

6. October 2010 am 11:37 pm

[...] seiner weltweiten Faszination angeht, bleibt der Film ebenfalls eher schwach oder wie es Sebastian drüben bei AlsIchEinHamsterwar schreibt: “… alles ändert nichts daran, dass David Fincher mit The Social Network einen [...]

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Oscar-Nominierungen 2011 (bzw. meine ersten Tipps) - Als Ich Ein Hamster War

25. January 2011 am 4:19 pm

[...] Besten Film sind ziemlich genau, was ich erwartet hab, ich tippe hier spontan wohl oder übel auf The Social Network, Chancen hat meiner Meinung nach aber auch der wunderbare The King’s Speech. Dessen Colin [...]

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Gast

15. July 2011 am 10:58 am

Hallo, ich bin gerade auf deine Seite gestoßen und finde einige Reviews sehr interessant (z. B. Defendor oder den Verweis auf Der letzte Kampf beim Review von The Road oder I am Legend – auch wenn ich nicht alles 100% unterschreiben würde, aber das ist normal bei etwas so subjektivem wie Filmkritiken).

Bei Social Network allerdings kann ich weder die negative Grundhaltung gegenüber David Fincher, noch gegenüber dem Film selbst nachvollziehen. Ich persönlich boykottiere soziale Netzwerke grundsätzlich und hatte dies auch mit dem Film vor. Doch da ich David Fincher sehr schätze (ja, ich finde The Game, Fight Club, Panic Room, Benjamin Button etc. sind sehr gute Filme), habe ich mir den Film auf DVD gekauft.

Ich empfand die Erzählweise mit den Sprüngen als sehr interessant, den Score überragend und die Diaolge genial. Das die Darsteller allesamt klasse sind hast du ja ebenfalls bestätigt. Ich war sehr positiv überrascht. Für mich der beste Film des Jahres 2010.

Grüße

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Sebastian

15. July 2011 am 6:46 pm

@Gast

Hallo!

Danke für das Lob erstmal (obwohl ich nicht genau weiß, was du mit dem “Der letzte Kampf”-Verweis meinst)…

Zu Social Network: “Ich persönlich boykottiere soziale Netzwerke grundsätzlich” Das ist ja vielleicht schonmal ein Indiz, warum unsere Meinungen da so verschieden sind (kann natürlich auch einfach an verschiedenem Geschmack liegen ;) ): Ich hätte mir, als sehr intensiver Nutzer von Facebook und co, halt gewünscht, dass ein Film, der diese Geschichte erzählt, sich auch wirklich mit Social Media auseinandersetzt. Das macht Social Network aber nicht, es könnte um jede andere Art von Firma/Idee/Whatever gehen, Facebook an sich spielt keine Rolle…Wenn da wie bei dir das Interesse gar nicht so da ist, geht man natürlich auch anders an einen Film…

Zum Schluss noch etwas schamlose Eigenwerbung: Wenn dir meine Reviews gefallen, ich sammle die mittlerweile auf http://isavedlatin.de/ (ohne den ganzen anderen Blogging-Schnick-Schnack)…

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Gast

18. July 2011 am 1:15 pm

Hallo nochmal!

Wegen dem “Der letzte Kampf”-Verweis: bei deinem Review zu The Road war ein Link zu I Am Legend, dort wurde auf “Der letzte Kampf” verwiesen. Diesen Film kannte ich bisher nicht. Als Endzeit-Film-Fan werde ich das jetzt aber möglichst schnell nachholen. :-)

Zu der Erwartungshaltung: da hast du sicher Recht. Mich hat die Firmengeschichte und die Prozesse sehr interessiert, weniger die Plattform und ihre Funktionen selbst.

Grüße

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Sebastian

18. July 2011 am 1:23 pm

Ahhh, okay…Das I Am Legend Review ist halt, wie du sicher gesehen hast, nicht von mir (und auch vor meiner Zeit beim Manifest entstanden, deshalb muss ich auch ehrlich sagen es bis eben nicht gelesen zu haben :D )

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