Gorillaz – Plastic Beach

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9. Mar 2010

Als die Gorillaz 2001 ihr erstes Album veröffentlichen, war ich 11. Damals hatte ich keinen Musikgeschmack und hörte einfach, wollte einfach dazugehören – und hörte daher die Gorillaz. 2005, als das zweite Album Demon Days erschien, wollte ich vor allem anders sein, hörte britische Indie-Bands (okay, das tu ich bis heute) – und mochte die Gorillaz, weil Damon Albarn da Sänger war, und der war auch Sänger von blur und dann gingen auch die Raps in Ordnung.

Heute sind die Gorillaz längst nicht mehr das Nebenprojekt des blur-Sängers. In den fünf Jahren seit dem letzten Album hat Damon Albarn unter eine Oper geschrieben und ein Nebenprojekt zum Nebenprojekt gegründet, die durchaus interessanten The Good, The Bad & The Queen. Von blur gab es allerdings wenig zu hören und trotz der Reunion gibt es bis heute kein neues Album. Für Fans von Damon Albarn, den ich noch immer für einen der besten Songwriter unserer Zeit halte, sind also die Gorillaz die Band der Wahl.

Jetzt also Plastic Beach. Die erste Single Stylo fand ich bei den ersten paar Mal Anhören noch etwas nichtssagend, mittlerweile hat sie sich mit ihren treibenden Beats und Albarns charakteristischem Ist-mir-egal-Gesang aber dann doch in meinen Gehörgang eingeschlichen. Dass ich Plastic Beach am Tag des Erscheinens kaufen würde, stand sowieso fest, waren doch die ersten beiden Alben auf ganzer Länge überzeugend, außerdem beeindruckte die Gästeliste. Zum Glück verlassen sich Albarn und seine Mitstreiter nicht nur darauf und das wie immer hervorragende Artwork von Tankgirl-Schöpfer Jamie Hewlett, sondern haben auch wieder verdammt gute Songs geschrieben.

Auf ein Genre oder eine Stimmung lassen sich die Gorillaz dabei weniger denn je festlegen. Ein orchestrales Intro eröffnet das Album, danach wechseln sich oldschoolige Hip-Hop-Tracks mit Elektro-Pop, Funk, Soul und allem anderen ab, was grad so rumlag. Trotzdem funktioniert Plastic Beach als Album – weder das abgedrehte, etwas sperrige Sweepsteaks mit Mos Def noch das schwelgend-schöne, harmoniesüchtige (und absolut fantastische) On Melancholy Hill wirken wie Fremdkörper – um nur zwei Beispiele zu nennen. Plastic Beach groovt, pocht, pulsiert, regt zum Kopfnicken und Tanzen an und haut ganz nebenbei einige der besten Melodien seit Langem raus. Einige Tracks sind so verdammt eingängig, dass man meint, sie seit Jahren zu kennen und dennoch hört man sich so schnell keinen der Songs tot. Tracks wie das von Lou Reed (doch, ehrlich) unterstützte Some Kind of Nature verlassen das Ohr und den Kopf höchstens dann, wenn sich ein anderer Track an ihrer Stelle platziert.

Bei all diesen verschiedenen Stilen und Genres wirkt Plastic Beach dennoch nicht überladen. Damon Albarn und seine vielen Mitmusiker haben hier ein anspruchsvolles, abgedrehtes Album geschaffen, das dennoch so entspannt ist wie 7 Jack Johnson-Alben zusammen und trotz aller Innovation, aller Verweigerung von Schubladen noch im besten Sinne Pop ist: Es macht Spaß, ist eingängig und unverkopft und wird wohl wie seine Vorgänger auch über Jahre wenig von seiner Qualität verlieren.

2 Reaktionen zu Gorillaz – Plastic Beach

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Moritz

12. March 2010 am 5:15 pm

Stylo gefällt mir leider gar nicht, aber ich werde mir mal die anderen Titel anhören. Demon Days ist für mich nämlich eines der besten Alben, die es bis dato gibt, da kann der Nachfolger gar nicht so schlecht sein :D

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herrlehmann

12. March 2010 am 6:33 pm

Stylo hat bei mir wie gesagt auch was gedauert und ich kann auch noch immer nachvollziehen, warum man den Song selbst als Fan schlecht findet. Der Rest des Albums ist aber auch anders, lohnt sich also, reinzuhören ;)

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