A Serious Man – Review

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22. Jan 2010

Es gibt eine Szene in A Serious Man, in der die Coen-Brüder kurz ihre Ironie ablegen. In der wir wirklich mit der Hauptfigur Larry Gropnik mitfühlen können. Wenn er seinen Bruder trösten muss, der eigentlich noch ärmer dran ist als er, schaffen es die Coens, den Zuschauer kurz zu berühren. Natürlich wird das ganze sofort danach wieder ironisch gebrochen, aber für diesen einen Moment zeigt der Film Emotionen.

Ich hätte mir gewünscht, dass A Serious Man den ganzen Film über ist, wie in dieser Szene: Ehrlich, emotional. Das soll nicht heißen: humorlos. Aber eben mit Herz. Larry Gropnik ist nicht, wie die meisten Figuren der bisherigen Coen-Filme, von vornherein als Karikatur angelegt. Larry ist ein normaler, sympathischer Mann, dem schlicht und einfach grundlos immer mehr Übel widerfährt. Das ist die ganze Handlung des Films und für die fast schon zynische Herangehensweise der Coens reicht sie nicht. Die Hauptfigur war mir, bis auf diesen kurzen Augenblick, schlicht egal.

Das ist schade, denn: Der Witz ist da. Das Handwerk der Regisseure ist erneut perfekt. Es gibt einige wirklich fantastische Szenen, von denen ich hier keine beschreiben will, aber glaubt mir, sie sind da und wenn es um Überraschungsmomente und gut platzierte Gags geht, sind die Coens besser denn je.

Aber: Die Stärke der Coens war es immer, mit jedem Film aufs neue zu überraschen. Burn After Reading mag man doof finden (ich nicht), aber er war nicht, was man nach No Country for Old Men erwartet hatte. Zwar war auch dieser Film “nur” unterhaltsam, aber mehr wollte er auch gar nicht sein. Bei A Serious Man hatte ich das Gefühl, dass die Coens eigentlich mehr wollten. Gleichzeitig hatte ich, was sehr schade ist, das Gefühl, dass sie zum ersten Mal auf Nummer sicher gegangen sind. Dass A Serious Man vielleicht wirklich der “persönliche” Film werden sollte, den sie angekündigt haben, sie es sich letztlich aber nicht getraut haben und sich stattdessen in ihre ironische Arbeitsweise zurückgezogen haben. Wenn es wirklich ein persönlicher Film ist und etwas über die Coens als Personen aussagt, dann sind die beiden wohl ziemlich zynische Arschlöcher.

Die Coens haben mich schon oft genug gefesselt, zum Nachdenken und zum Lachen gebracht. Mit A Serious Man hätten sie zum ersten Mal berühren können. Das schaffen sie größtenteils nicht, so dass zwar einige fantastische Szenen, einige Lacher und perfektes Handwerk übrig bleiben, aber eben auch das Gefühl, das alles schonmal besser gesehen zu haben.

Don’t you want somebody to love?

3 Reaktionen zu A Serious Man – Review

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Rooby

24. January 2010 am 3:34 pm

Oh ich bin gespannt. Ich will den Film nächste Woche gucken und freu mich ehrlich gesagt schon sehr drauf. Ich fand “Burn after reading” auch sehr geil, allerdings hab ich “No country for old men” leider nicht im Kino sehen können. Steht aber noch auf der “to do list” für Zuhause. :-)
Gestern Abend gabs dafür mal wieder den “Dude”. :-)

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Rooby

30. January 2010 am 8:27 am

So – Film gestern gesehen, für in Summe “gut” befunden, aber Du hast Recht – es fehlt was.
Davon ab – hast Du eine Idee, was das mit der ersten Szene war? Also die, in der der Dibbuk im Hause der beiden gewesen sein soll? Das muss ja irgendwie ein Bild für die Schlechtigkeit der Welt oder sowas gewesen sein, aber ich habs nicht so ganz gerafft, wenn ich ehrlich bin. Falls Du eine Idee hast, lass es mich wissen. :-)

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herrlehmann

30. January 2010 am 10:37 am

Tja, da bin ich mir auch unsicher. Mir kam es so vor, als wollten die Coens mit dieser Szene “Tiefsinn” reinbringen, der schlicht nicht da war. Als Parallele zur restlichen Handlung hab ich irgendwie nur gesehen, dass dem “dybbuk” genau wie Larry (wahrscheinlich) zu Unrecht Schlechtes widerfährt. Oder so :D

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